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Antrag: Standortsicherung für Großbäume im Stadtgebiet Augsburg

                                                                       Augsburg, 26.10.2017

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Gribl,

in der Sitzung des Umweltausschusses des Augsburger Stadtrates am 25.09. 2017
ergab sich im Anschluss an den Bericht „Sachstand Baumschutz und Baumpflege mit
aktuellen Fällungen und Neupflanzungen“ (BER/17/00770) eine Debatte um den
Umgang mit den im Straßenbegleitgrün angesiedelten Bäumen in der Holbeinstraße.

Im Zuge von Bauarbeiten war hier eine Linde so stark beschädigt worden, dass ihre
Fällung nicht zu vermeiden war. In der Sitzung am 18.10. 2017 hat sich zudem
ergeben, dass durch die geplante Fällung von Bäumen auf dem angrenzenden
Privatgelände (BÄKO) weitere Bäume im Straßenbegleitgrün gefällt werden müssen.

Im Vorfeld der Bauarbeiten war aber eigentlich in Absprach mit allen beteiligten
Ämtern beschlossen worden, den Baumbestand zu erhalten. Die
Straßenbaumaßnahmen wurden deshalb auch so geplant und durchgeführt: nach
Verlegung der Sparten (Fernwärme) wurden zwischenzeitlich die Granit-Randsteine
auf ein breites Beton-Streifenfundament am alten Platz über den Wurzeln der
Straßenbäume wieder gesetzt und die Teerdecke dazwischen wieder aufgebracht.
Dadurch bekamen die noch überlebenden Straßenbäume wieder ihr enges Korsett
angelegt (siehe Fotos), in dem sie schon vorher mehr schlecht als recht überlebt
haben. Nachdem die Pflanzgräben in der Holbeinstraße lediglich wieder in
demselben bescheidenen Umfang eingebaut wurden, in dem sie vorher bestanden
hatten, ist es deshalb absehbar, dass diese Bäume keine allzu lange
Lebenserwartung mehr haben dürften.

Für die Neupflanzung der bereits gefällten Linde bzw. der zur Fällung anstehenden
weiteren Bäume ergibt sich zudem folgendes Problem: wegen des absolut
ungeeigneten Untergrundes (hochverdichteter Kies, Sparten) und wegen des
minimalen zur Verfügung stehenden Platzes in dem schmalen Pflanzgraben werden
es die Jungbäume sehr schwer haben, hier überhaupt Fuß zu fassen. Es steht
zudem zu befürchten, dass die Bäume unter diesen Standort-Bedingungen niemals
wieder die Größe der gefällten Artgenossen erreichen werden. Augsburg hat damit also
wieder einmal Standorte für ortsbildprägende Großbäume verloren. Dies ist eine
Katastrophe für das Klima und die Lebensqualität in unserer Stadt.

Leider steht das oben angeführte Beispiel in der Holbeinstraße nur stellvertretend für
viele andere ähnlich gelagerte Fälle in der Vergangenheit.
Es besteht daher dringender Handlungsbedarf, die noch verbliebenen Standorte von Großbäumen im Stadtgebiet deutlich besser zu schützen und wo immer möglich auch zu verbessern, sowie neue Standorte zu schaffen. Auf mittlere und lange Sicht sollten dadurch im
Stadtgebiet wieder spürbar mehr und größere Bäume eine Überlebenschance erhalten. Um dies zu erreichen, stelle ich daher folgenden

Antrag:

Die Verwaltung wird beauftragt, ein Prozessmodell zu erarbeiten, das immer dann
Anwendung findet, wenn in einer Straße oder auf einem Platz im Stadtgebiet größere
Eingriffe anstehen, die über das reine Flicken von Schlaglöchern hinausgehen. Hierbei soll
vor der Planung von Spartenverlegung und Straßengestaltung gutachterlich geklärt werden:

– ob bei der weiteren Planung neue Baumstandorte in der Straße angelegt werden
können,

– ob durch größere, freigestellte Pflanzscheiben den in der Straße stehenden Bäumen
das Leben erleichtert werden könnte oder für eine zukünftige Ersatzpflanzung für die
alten Bestandsbäume nicht gleich entsprechende Freiräume gesichert werden
können und

– ob durch eine geschicktere Verlegung neuer Sparten bzw. Verlagerung alter Sparten
der Einengung im Wurzelbereich der Bäume entgegengewirkt werden kann.

Als Basis für die Begutachtung sind die Richtlinien der Forschungsgesellschaft
Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FFL) heran zu ziehen. In Entsprechung des
Gutachtens ist dann dem Schutz und der Verbesserung bestehender Baumstandorte, sowie
der Anlage neuer Baumstandorte in der weiteren Planung der Baumaßnahme Vorrang vor
der Schaffung von Parkplätzen oder Verlegung von Sparten einzuräumen.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Pettinger

Anhang: