DRINGLICH! Einstellung der Baumfällung am Herrenbach

                                        Augsburg, 3.06.2018

Sehr geehrter Herr Dr. Gribl,

Die vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth gegenüber der Stadt behaupteten rechtlichen Vorraussetzungen , die zur Fällung der Bäume am Herrenbach geführt haben, sind laut nachfolgender Begründung nicht vorhanden.
Um noch größeren Schaden zu vermeiden fordere ich Sie auf, die Baumfällungen am
Herrenbach umgehend bis zur abschließenden Klärung einstellen zu lassen, da keine
Gefahr in Verzug ist.
In der Beantwortung der Frage 20 durch das Referat 6 wird die DIN 19712
(Hochwasserschutzanlagen an Fließgewässern) oder das DWA Merkblatt M 507-1 (Deiche
an Fließgewässern) als technische Regeln im Bereich der Hochwasserschutzanlagen und
die Bauweise von Dämmen definiert und das jetzige Vorgehen der Fällungen damit begründet.

Es dabei wird wie folgt begründet:

Die DIN und das Merkblatt werden von Experten auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung —
auch mit Schadensfällen — ausgearbeitet. Das o.g. DWA-Merkblatt M 507-1 sieht „zu der
Entfernung vorhandener Gehölzbestände auf Dämmen und ihren Schutzstreifen, die sich
infolge mangelnder oder unterbliebener Unterhaltung entwickelt haben, grundsätzlich
keine Alternative“. Die DIN 19712 bezeichnet Gehölze auf Dämmen als „unzulässig“. Ein
Baum stabilisiert einen Uferbereich nur solange, Wie er steht. Wird er durch Windwurf
entwurzelt, schädigt der herausgerissene Wurzelteller die Standfestigkeit des Uferbereichs.
Der Damm bietet dem Baum einen Lebensbereich, stabilisiert den Baum aber nicht.
Die DIN 19712 (1997) definiert Flussdeiche, also Dämme aus Erd- und Baustoffen an
Fließgewässern zum Schutz des Hinterlandes gegen Hochwasser, die nur bei Hochwasser
beansprucht werden. Flussdeiche sind Hochwasserschutzanlagen, die bei
Hochwasserabfluss temporär über binnenseitigem Gelände eingestaut sind.
Nachdem es sich beim Herrenbach um einen niveaugeregelten Industriekanal handelt,
dessen Zu und Ablauf über Wehrdurchflüsse bestimmt wird, tritt kein Hochwasserfall ein.
Die Sicherung des Herrenbachkanals erfolgt nicht über eine Deichanlage sondern ein
Stahlbetongerinne. Die Standfestigkeit des Gerinnes muss baustatisch nachgewiesen
werden. Die angeschüttete Böschung ist nicht als Deich im Sinne der DIN 19712 angelegt
und erfüllt auch in keiner Weise eine Deichfunktion.

Das Informationsschreiben des Umweltreferenten an Umweltausschuss und Stadträte vom
24.04.2018 zitiert aus der Zusammenfassung des Merkblattes Nr.5.1/1 vom 1.2.1984
Auch dieses Merkblatt befasst sich, wie die unten stehende Querschnittsskizze zeigt nicht
mit betonierten Industriekanälen sondern mit Hochwasserschutzdämmen und Deichanlagen,
und ist demnach für den Fall Herrenbach nicht anzuwenden.


Die Zusammenfassung des Merkblatts beginnt wie folgt:

Deiche, Dämme und Vorländer sind das Ergebnis notwendiger Eingriffe an Gewässern, um
Siedlungsgebiete zu schützen oder landwiitschaftliche Nutzflächen vor häufigen
Uberschwemmungen zu bewahren.
Herr Erben greift sich den 2.Satz/1.Absatz der Zusammenfassung für seine Begründung
heraus:

Da die Gewässer mit ihren Uferbereichen und Auen zu den biologisch aktivsten
Landschaften gehören, bedüifen hier alle Eingriffe ganz besonders der Beachtung
Iandschaftsökologischer Gesichtspunkte. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen dem
Wasserbauingenieur und dem Landschaftsingenieur ist erforderlich.

Spätestens hier wird klar, dass es darum geht, Fauna und Flora von Auenlandschaften
artgerecht zu erhalten und nicht Bäume zu fällen, die auf der angeschütteten Böschung
eines Industriekanals stehen, dessen Betongerinne aus den 60-er Jahren nicht mehr die
erforderlichen baustatischen Anforderungen erfüllt.

Was gerade am Herrenbach geschieht ist weder in einer DIN noch in einem Merkblatt
geregelt und wiederspricht allen ökologischen und umweltschützenden Belangen. Es
widerspricht sogar in verantwortungsloser Weise den Bestimmungen des, als Begründung
für die Fällmaßnahmen zitierten Merkblatts zur Deichgestaltung:
„Insbesondere in Ortsbereichen sind verstärkt gestalterische Gesichtspunkte
einzubringen. . Mit einer entsprechenden Bepflanzung können (Deiche) Nahrungs-, Rast-
und Brutplatz für frei/ebende Tierarten sowie Ausbreitungsband für bestimmte Pflanzenarten
darstellen.