Baumfällung am Herrenbach

                             Augsburg, 21.05.2018

 

Sehr geehrter Herr Dr. Gribl,

in der Stadtratssitzung am 17.05.2018 ging Umweltreferent Erben auf Fragen aus dem
Plenum die Baumfällung entlang des Herrenbachs betreffend ein. Dabei bekräftigte er die
Alternativlosigkeit der Fällung von 96 Bäumen, um Sachschaden im Falle eins Windwurfs
von den tieferIiegenden Kleingärten und Hauskellern abzuwenden.

Abgesehen davon, dass man mit diesem Argument die prophylaktische Fällung der meisten
Stadtbäume entlang Augsburgs Straßen rechtfertigen kann — bei Windwurf besteht sogar
Lebensgefahr — zeigt die Beantwortung des umfangreichen, fraktionsübergreifenden
Fragepapiers, dass es Lösungen gibt, die meisten Bäume zu erhalten, wenn man bereit ist,
Umwelt- und Baumschutz vor angeblicher Wirtschaftlichkeit zu setzen.

Dabei sollte ein Umweltreferent stets den Erhalt der Bäume als sein höchstes Ziel anstreben,
denn ein 50 jähriger Baum hat Werte, die es kaum rechtfertigen, alternative Maßnahmen zu
seinem Erhalt nicht zu bevorzugen.

Die Fraktionen von CSU, SPD und Grünen haben sich, wir ihr Fragenkatalog vom
11.04.2018 mit 33 Fragestellungen zeigt, intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt.
Insbesondere zielen die Fragen 14 und 15 darauf ab, statt Bäume zu fällen, das Kanalbett so
standsicher auszubauen, dass eine Beschädigung durch Windwurf ausgeschlossen werden
kann.
Umweltreferent Erben hat in seinem Schreiben vom 17.05.2018 diese Fragen abgearbeitet:

14. Der bauliche Zustand des Herrenbach-Gerinnes sowie des Dammes ist als normal
zu bezeichnen. Einzig der starke Baumbestand auf dem Damm generiert den
Handlungsbedarf.

15. Eine grundlegende Sanierung bzw. Erneuerung des Gerinnes wird in den nächsten
Jahren nicht anstehen. Die Funktionstüchtigkeit wird durchlaufenden Unterhalt
gewährleistet. Die Ufen/Vände wurden im Jahr 1967 errichtet. Die theoretische
Nutzungsdauer für solche Stahlbetonstützwände liegt bei 110 Jahren. Theoretisch liegt
demzufolge eine grundlegende Erneuerung des Gerinnes im Jahre 2077 an. Die Bäume
können die Bausubstanzjedoch nachhaltig schädigen und durch Windwurf zu plötzlichem
Versagen führen, obwohl die Bausubstanz des Gerinnes intakt ist.

Abgesehen davon, dass der Grüne Referent grundsätzlich wirtschaftliche Gesichtspunkte vor
den Baumschutz stellt, sind die Antworten entweder einer Sparauflage der Finanzreferentin
geschuldet oder/und einem mangelnden Sachverstand.

Zu 14.: Was versteht Erben unter einem “normalen“ Zustand? Nach 50 Jahren dauerhaftem
Wasserkontakt, ist es ein normaler Zustand, dass der Beton und die darin liegende
Eisenbewehrung an Standfestigkeit massiv eingebüßt haben. Das Bild am Wehr bei der
Reichenbergerstraße zeigt, dass der Beton selbst über der Wasserlinie bröckelt.

Zu 15.: Erben spricht von einer „theoretischen Nutzdauer für solche Stahlbetonstützwände
von 110 Jahren“! Es ist rätselhaft, wie ein Umweltreferent zu einer solchen Aussage kommt.
Vom Tiefbauamt kann er sie nicht haben, denn dort hat man gerade mit der
Ackermannbrücke ein marodes Betonbauwerk aus den 60-er Jahren erneuert, das nicht
komplett im Wasser stand. Da er aber gleich zweimal das Wort „theoretisch“ benutzt deutet
darauf hin, wie wackelig diese 110 Jahre Haltbarkeit sind.
Dass das Umkippen eines Baumes das Kanalgerinne zerstören kann zeigt bereits, in
welchem statischen Zustand es sich befindet. Zu diesem Schluss müsste auch ein
Umweltreferent kommen, anstatt die Bäume für die Zerstörung eines angeblich intakten
Gerinnes verantwortlich zu machen. Fakt ist, dass Stahlbeton vor 1988 eine Haltbarkeit von
maximal 60 Jahren hat. Als Kanalbauwerk liegt die Haltbarkeit weit darunter.

Es steht außer Frage, dass ein 1967 mit Stahlbeton betoniertes Kanalbett, welches ständig
im Wasser stand, ausgedient hat. Sowohl der venNendete Beton als auch die eingebrachte
Stahlbewehrung, die meist nicht statisch berechnet, sondern nur konstruktiv eingesetzt
wurde, erfüllen nicht annähernd die heutigen Anforderungen.
Der gesamten Gerinnekonstruktion fehlen ausreichende und dichte Bewegungsfugen, sodass Wasser über Rissebildung eindringen kann und die Konstruktion durch die innere Korrosion bröckelt.
Der Vorschlag, Bäume zu fällen, um ein marodes Kanalbett noch ein paar Jahre zu halten,
ist in Zeiten des Umweltschutzes, des Erhalts von Bäumen und hochwertigen Stadträumen,
die den Bürgern zur Erholung dienen und schon gar angesichts der Unesco-Welterbe-
Bewerbung Wasser „aus der Zeit gefallen“.

Ich stelle hiermit folgenden Antrag:

Das Kanalgerinne des Herrenbachs ist statisch zu ertüchtigen bzw. so zu erneuern, dass ein
Großteil der Uferbepflanzung erhalten werden kann. Hierzu ist eine entsprechende Planung
zu beauftragen unter der Maßgabe, möglichst viele Bäume auch am direkten Uferbereich zu
erhalten.