Baumfällung am Herrenbach; Ihre Email vom 25.05.2018

                              Augsburg, 26.05.2018

Sehr geehrter Herr Erben,

es mag Ihnen bequem erscheinen, meinen Antrag nach Geschäftsordnung zu erledigen
ohne ihn im Stadtrat abstimmen zu lassen, jedoch bestehe ich auf eine Behandlung im
Plenum, da Ihre angeführte Begründung zu dünn, leichtfertig und fachlich nicht haltbar ist
und der Sache „Umwelt“ in keiner Weise gerecht wird.

Sie sehen Sich als Umweltreferent lediglich als „Koordinator“ der Beantwortung vom
17.05.2018 der 33 Fragen aus der Regierungskoalition, ohne Verantwortung zu übernehmen
über Inhalte und deren fachlicher Prüfung. Für lediglich ein Zusammentragen von Antworten
aus den verschiedenen Referaten hätte auch eine Praktikantenstelle ausgereicht.

Ich beziehe mich auf die Beantwortung des Sachverhalts „Einbau einer statisch tragenden
Wanne im bestehenden Gerinne“ im Punkt 33 letzter Absatz, welcher nach Ihren
Ausführungen lediglich im Referat 6 „diskutiert und dann nicht weiterverfolgt wurde“.
Dieses Vorgehen mag Ihrem Anspruch genügen, nicht aber dem Anspruch eines
qualifizierten Umweltreferenten, und wird keineswegs einer ernsthaften Untersuchung
gerecht, welche Umweltbelange weitestgehend berücksichtigt.

Ich gehe im Einzelnen auf die Argumente des Referats 6 ein:

Es wird behauptet, der Bau einer statisch tragenden Wanne im Gerinne würde zu einer
massiven Querschnittsverengung führen.
In der folgenden Skizze „Querschnitt durch den Herrenbach“ wird deutlich, dass eine Wanne
bei Entnahme des Kanalbodens eine minimale Querschnittsminderung des Bachgerinnes
darstellt und bei gleichbleibender Sohltiefe den Wasserspiegel lediglich um 7 cm anhebt.

Vertieft man den neuen Kanalboden um 7 cm bleibt der Wasserspiegel gleich. Genauso
könnte man den Damm um 7 cm erhöhen um die jetzige Schutzhöhe beizubehalten.
Alle weiteren Annahmen und Szenarien in dieser Antwort, wie das notwendig werdende
Anheben der Heinebrücke und der Brücke über die Reichenbergerstraße einschließlich der
Anpassung des Kreuzungsbereichs sowie das Anheben der Friedberger Straße bis zur
Erhöhung der Uferwände zwischen Friedberger Straße und ehemaliges Obi-Gelände
beruhen also auf völlig falschen Voraussetzungen und sind daher nicht relevant.

Es wird weiter behauptet, dass möglicherweise Rückverankerungen notwendig würden,
welche den Erhalt der Bäume in Frage stellen könnten. Ob überhaupt Rückverankerungen
notwendig sind, wurde gar nicht erst untersucht. Das jetzige Gerinne hatte über 50 Jahre
keine Rückverankerungen und ist nach Ihrer eigenen Aussage noch 60 Jahre haltbar.
Selbst wenn man Rückverankerungen vornehmen würde, könnten diese zwischen den
Bestandsbäumen durchgeführt werden, ohne dies zu beeinträchtigen.
Es erübrigt sich demnach auch die Frage nach einem Fangdamm.

Nun noch zum „Freibordmaß“ welches laut Ihrem Schreiben einzuhalten ist.
Hier bitte ich Sie, mir umgehend die Berechnung und den Nachweis hierzu vorzulegen und
zwar für jeden Kanalabschnitt. Ich kenne diesen Begriff nur im Zusammenhang mit
Schifffahrtsstraßen und Küstendeichen wo insbesondere mit Wellenschlag, Windstau und
Hochwasser zu rechnen ist. Bei einem regulierten Kraftwerkskanal ist mir die Anwendung
neu.
Nach Tabelle 7.2 des Deutschen Verbandes für WassenNirtschaft und Kulturbau e. V.
(DVWK) von 1986 beginnt die Angabe für das Freibordmaß ab einer Wassertiefe von 2,0 m
und beträgt hier 50 cm. Der Herrenbach hat eine Wassertiefe von 1,3 m und ein
“Freibordmaß“ von 75 cm.

Die Beantwortung der Frage mit dem einzuhaltenden Freibordmaß erinnert an den
Holzverbau am Stempflesee, für deren Bemessung die „Experten“ die DIN-Norm für
Hafenbecken heranzogen und dabei einen Rundholzquerschnitt von 30 cm berechneten.
Zur Ausführung kamen dann Rundhölzer mit 16 cm Durchmesser wie dies der ausführende
Unternehmer ohne statischen Nachweis geschätzt hatte.

Schließlich geben Sie Sich mit der Anmerkung des Referats 6 zufrieden, welches den
Ansatz „Einbau Gerinne“ wegen der zu enNartenden Baukosten erst gar „nicht zu Ende
denken möchte“. Hierzu ist anzumerken, dass weder die Kosten ermittelt, noch der
Zerstörung von Bäumen und wertvollen Natur und Erholungsraum entgegengestellt wurden.

ANTRAG:

Die Begründung zur Frage 33 im letzten Abschnitt ist irreführend und fachlich nicht haltbar.
Es gibt technische Lösungen, eine mögliche Gefahrenlage ohne Fällung der Bäume auch im
unmittelbaren Uferbereich auszuschließen mit Vorrang für Umweltbelange und Naherholung.
Die Lösungsansätze wurden „nicht zu Ende gedacht“ und daher eine Kostenermittlung erst
gar nicht vorgenommen.

Ich beantrage daher, die geplanten Fällarbeiten nicht durchzuführen, die Kiesrampe ins
Bachbett wieder auzubauen und dem Stadtrat eine seriöse und nachvollziehbare Alternative
zur Baumfällung am Herrenbach zur Beratung vorzulegen.